Werner Vogel Kapitel 1
Territoriale Entwicklung Berlin-Brandenburg in Mittelalter und Neuzeit Seite: 4

Die Nachfolger Karls IV. waren wenig an der Mark interessiert. 1378 wurde die Mark zerlegt: Ober- und Niederlausitz fielen an Böhmen, und 1402 wurde die Neumark an den Deutschen Orden verkauft.
Der grundlegende Wandel setzte 1411 ein mit dem Eintritt von Friedrich I. (1411-1440), dem Burggrafen von Nürnberg aus dem Geschlecht der (Hohen)Zollern, in die Mark, und zwar anfangs als Landeshauptmann, dann als Markgraf und Kurfürst. Die Herrschaft dieses Geschlechtes bestand bis 1918.
Das Kurfürstentum Friedrichs I. umfaßte Altmark, Prignitz, Havelland, Zauche, Teltow, Barnim, Lebus, Sternberg und Teile der Uckermark. Diese Territorien vereinigte Friedrich II. 1463 mit folgenden Gebieten unter seiner Herrschaft:

Zudem verzichtete das Erzbistum Magdeburg auf seine Lehnsansprüche. Wichtige altbrandenburgische Gebiete konnten so zurückge wonnen werden.
Sein Nachfolger Albrecht Achilles (1470-1486) erweiterte das Gebiet Brandenburgs im Feldzug 1478/79, indem er die Pommern aus der Uckermark vertrieb und 1482 aufgrund des Glogauer Erbfolgestreites die Pfandherrschaft über Crossen, Züllichau und Sommerfeld erlangte. In der „Dispositio Achillea“ wurde 1473 die Unteilbarkeit der Kurmark festgelegt, dagegen die Herrschaft Schwedt-Vierraden zeitweise verselbständigt.
Johann Cicero (1486-1499) widmete sich weniger als seine Vorfahren der Reichspolitik, sondern griff die alten Pläne der brandenburgischen Herrschaftsausdehnung an die Ostsee wieder auf. 1490 kaufte er die Herrschaft Zossen, und 1493 erkannten die Pommernherzöge die brandenburgische Lehnsherrschaft an.
Die einzige territoriale Erweiterung unter Kurfürst Joachim I. (1499-1535) war der Erwerb der bedeutsamen Herrschaft Ruppin sowie von Leitzkau im Land Jerichow 1524. Die definitive Einbeziehung der Herrschaft Ruppin erfolgte erst
1540 unter Kurfürst Joachim II.(1535-1571), der 1555/58 auch die Herrschaften Beeskow und Storkow (1575 erblicher Besitz) erwarb. Die Herrschaftsansprüche der Kurfürsten von Brandenburg über die Mark hinaus nach Pommern, Danzig sowie den Herzogtümern Minden, Kleve, Mark und Ravensberg führten jedoch nicht zur Veränderung des Territoriums der Mark Brandenburg. Letzteres wurde in der Kanzleiordnung von 1577 in fünf „Kreise“ eingeteilt:
  1. Altmark,
  2. Prignitz, Ruppin, Bellin und Stift Havelberg,
  3. die Uckermark und das Land Stolpe,
  4. Havelland, Glin, Bistum Brandenburg, Zauche, Vogtei Beelitz, die Herrschaften Zossen, Teupitz, Beeskow, Storkow, Bärwalde und die Neumark,
  5. der hohe und niedere Barnim und das Bistum Lebus.

Diese fünf Kreise wurden unterteilt in Ämter, Prälaten, Klöster, Adel und Städte.

Die Einführung der Reformation am 1. November 1539 hatte den Ständen wohl 1540 die Zustimmung zur Übernahme neuer landesherrlicher Schulden von mehr als einer Million Gulden erleichtert. Allerdings mußte der Kurfürst einwilligen, daß die Steuer- und Schuldenverwaltung in ständische Hände gelegt wurde. Es ist die Geburtsstunde des kurmärkischen Kreditwerkes. Exekutivorgan war der Landreiter. Die Vogteien oder Beritte des 14. Jahrhunderts gingen so über auf die Kreise des 15./16. Jahrhunderts mit Kreistagen (seit etwa 1540) und einem Kreisdirektor. Ende des 16. Jahrhunderts taucht der Begriff „Kreis-Verfassung“ auf. Seit 1702 wird der Kreis vom Landrat geleitet, der zugleich ständischer und landesherrlicher Beamter war. Unter Kurfürst Johann Georg (1571-1598) gelang die Vereinigung von Kur- und Neumark mit den seit 1535 inkorporierten Kreisen Sternberg, Cottbus, Crossen, Sommerfeld und Züllichau.
Das Kurfürstentum, auch als Chur- und Mark Brandenburg bezeichnet, umfaßte die Kurmark (seit 1640) und die Neumark. Zur Kurmark (434 Quadratmeilen) zählten im 17. Jahrhundert

Die Neumark (206 Quadratmeilen) umfaßte die drei sogenannten Vorderkreise Königsberg, Soldin, Landsberg, die vier Hinterkreise Friedeberg, Arnswalde, Dramburg, Schivelbein sowie die inkorporierten Kreise Sternberg, Herrschaft Crossen mit Züllichau und Herrschaft Cottbus mit Peitz.

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