Wolfgang Scharfe Kapitel 2.2
Von Ptolomäus zu Mercator Seite: 2

Erhard Etzlaub und seine Nachfolger

Der Nürnberger Kartograph und Mechaniker Erhard Etzlaub (um 1460–1532) veröffentlichte aus Anlaß des "Heiligen Jahres" 1500, das einen starken Zustrom von Pilgern nach Rom auslöste, 1500 (oder wenig früher) die erste Auflage seiner Pilgerkarte mit dem Titel "Das ist der Romweg von meylen zu meylen mit puncten verzeichnet..." (Abb. 2.2-4). Der Anreiserichtung der Pilger aus Deutschland entsprechend liegen auf der Karte Nord- und Ostsee sowie Jütland (Norden) unten, Nürnberg in der Kartenmitte und Rom (Süden) oben. Die Hauptpilgerrouten sind durch Punkte markiert, und der Abstand zwischen zwei Punkten entspricht jeweils einer Meile. Die zum Entwurf dieser Karte erforderlichen topographischen Informationen hat Etzlaub in Nürnberg, der reichen "Freien Reichsstadt" und zugleich dem wichtigsten Handelszentrum Süddeutschlands, von Kaufleuten sammeln können, die hier ständig aus ganz Europa zusammenströmten. Die erste Auflage der Etzlaub-Karte präsentiert unter den 14 brandenburgischen Städten erstmals Berlin – das im Jahr 2000 damit seine 500jährige kartographische Existenz feiern kann – an der Pilgerroute von Ostpreußen über Pommern (Kolberg, Stettin, Gartz), Angermünde, Bernau und Wittenberg in Richtung Leipzig und Regensburg. Allerdings sind die von Etzlaub gesammelten Daten insofern noch unzuverlässig, als die Havel bei Rostock, die Spree bei Stralsund in die Ostsee mündet – beide ohne jegliche Verbindung zueinander und zur Elbe (Abb. 2.2-5).

Romweg

Abb. 2.2-4 Erhard Etzlaub: Das ist der Romweg... Nürnberg 1500. Holzschnitt. Holzschnitt. Ausschnitt.
Norden unten. SBB Kart 41 KD 1.

Erläuterung zu 2.2-4

Abb. 2.2-5 Erläuterungsskizze zu Abb. 2.2-4. Norden oben.

1501 erschien eine zweite Auflage der Pilgerkarte mit dem neuen Titel "Das sein dy lantstrassen durch das Romisch reych ... von meilen zw meiln mit puncten verzaichnet" sowie mit der Eintragung von nunmehr 23 brandenburgischen Orten. Die Berliner Pilgerroute verläuft jetzt über Spandau, Brandenburg, Ziesar, Magdeburg und Erfurt in Richtung Nürnberg. Außerdem mündet die stark verkürzte Havel bei Werben in die Elbe, während Stralsund ("SVND") weiterhin an der Spreemündung liegt.
Beide Etzlaub-Karten, denen noch eine weitere Auflage ohne wesentliche €nderungen in unserem Raum folgte, sind in zweierlei Hinsicht für das frühe Bild von Berlin-Brandenburg überaus bedeutsam. Zum einen hat Etzlaub offensichtlich mit einer von Cusanus und Roselli unabhängigen Datenbasis gearbeitet, ohne vom ptolemäischen Streben nach Quellenzuverlässigkeit abzugehen. Zum anderen existierte ebenso offensichtlich keine vergleichbare Datenbasis in der deutschen Gelehrten-Kartographie der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts, denn alle wesentlichen Kartenveröffentlichungen dieser Periode kopieren Inhalt und oft auch die Südorientierung der Etzlaub-Karten. Nicht nur Martin Waldseemüller (um 1470–1518/21) – als der wohl bedeutendste Kartograph dieser Zeit – hat sich der topographischen Vorlagen von Etzlaub bedient, und zwar

In gleicher Weise übernahm Sebastian Münster (1488–1552), der in seiner Breitenwirkung Waldseemüller kaum nachstand, das Kartenbild Etzlaubs ohne Veränderungen Zahlreiche Kartographen folgten dem Beispiel von Waldseemüller und Münster.

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