Wolfgang Scharfe Kapitel 2.2
Von Ptolomäus zu Mercator Seite: 4

Tilemann Stella

Unter den deutschen Vertretern der Gelehrten-Kartographie erhält Tilemann Stella (1515-1589) erst seit einigen Jahren durch die Zusammenführung der bis 1989 auf zwei staatliche Archivbereiche verstreuten Quellen die ihm gebührende Würdigung. Anders als Mercator war Stella fast ausschließlich bei frühen Landesaufnahmen in verschiedenen Regionen Deutschlands aktiv (u. a. Mecklenburg seit 1552, Mansfeld 1557–1560, Zweibrücken 1564–1566). 1552 erschien seine Karte von Palästina, 1560 seine Deutschland-Karte in 2. Auflage (Abb. 2.2-8).

Landtaffel des Deudschen Landes

Abb. 2.2-8 Tilemann Stella: Die gemeine Landtaffel des Deudschen Landes... Wittenberg 1560.
Holzschnitt. Ausschnitt. Norden unten. SBB Kart 41 KD 1.

Bei dieser Karte stehen sich Form und Inhalt in gewissem Sinne diametral gegenüber. Während der Titel und die Form – kreisförmig und gesüdet – an die Arbeiten von Sebastian Münster anknüpfen, zeigt der Inhalt nach Lage und Bezeichnung der Siedelungen und Flüsse erstmals ein zutreffendes Bild von Berlin-Brandenburg. Allerdings nahm die Anzahl der Siedelungen in unserem Raum gegenüber der Europa-Karte von Mercator nur geringfügig zu. Die Ausführung dieser Deutschland-Karte als Holzschnitt mit recht groben graphischen Elementen hat Stella vermutlich daran gehindert, alle ihm bekannten Siedelungen, Gewässer und Namen in die Karte zu setzen. Das so gestaltete Bild von Berlin-Brandenburg, das 1570 von Abraham Ortelius für seine Deutschland-Karte in dem Atlas "Theatrum orbis terrarum" (Theater des Erdkreises) übernommen wurde, legt Zeugnis ab von den Bemühungen Stellas, für ganz Deutschland auf der Grundlage von abgesicherten und umfassenden Quellen eine zuverlässige Karte zu entwerfen. Anderweitige Verpflichtungen haben Stella daran gehindert, diesen Plan zu realisieren.

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