Gerd Krüger und Jörg Schnadt Kapitel 4.2
Deutsches Reich Seite: 3

Die preußische Vermessung und Kartographie hatte den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten aus finanziellen Gründen mehr als ein halbes Jahrhundert auf die Herstellung von Basiskarten in großen Maßstäben legen müssen. Der Übergang zum Kaiserreich und zur europäischen Großmacht erzwang die Ausweitung der Kartenproduktion auf Übersichtskarten verschiedener Maßstäbe.
So erwarb der preußische Generalstab zunächst 1874 die Reymannsche “Special-Karte von Central-Europa” (Abb. 4.2-5), ein vom Plankammerinspektor Reymann 1806 begründetes und von ihm bis 1837 fortgeführtes Kartenwerk im Maßstab 1: 200.000.
Danach übernahm Carl Wilhelm v. Oesfeld die Bearbeitung, ehe die Karte 1846 an den Verlag Flemming in Glogau verkauft wurde. Das zunächst auf 342 Rechteckblätter von 34 cm x 23 cm konzipierte Kartenwerk mit Schraffendarstellung erfaßte schließlich auf 529 Blättern (geplant 796) über 1,1 Millionen km2 von Mitteleuropa. Die Laufendhaltung des Kartenwerks endete 1908.

Reymannsche Karte

Abb. 4.2-5 Topographische Spezialkarte von Mittel-Europa (Reymannsche Karte). Blatt 278 Potsdam.
Berlin 1908. Hrsg.: Kartograph. Abt. d. Kgl. Preuß. Landesaufnahme. Kupferstich. Ausschnitt. SBB Kart F 6325-278.

Als Nachfolger der nicht mehr als zeitgemäß angesehenen Reymannschen Karte wurden auf Vorschlag des Kriegsrats Kaupert 1888 fast gleichzeitig die “Topographische Übersichtskarte des Deutschen Reiches 1 : 200.000” (TÜDR 200, 1. Blatt 1899) und die “Übersichtskarte von Mitteleuropa 1 : 300.000” (ME 300, ab 1893, Bezeichnung 1905, 1. Blatt 1906) als amtliche Kartenwerke vorbereitet, bearbeitet und herausgegeben. Dabei übernahm die TÜDR 200 (Abb. 4.2-6) die Rolle einer eher zivilen Reichskarte, während die ME 300 (Abb. 4.2-7) als militärische Operationskarte über das Reich hinaus und als eigentliche Fortsetzung der Reymannschen Karte konzipiert war. Von den 196 geplanten dreifarbigen Blättern der TÜDR 200 lagen bei Kriegsende 180 Blätter fertig vor. Die ME 300 erschien in ein- und sechsfarbigen Ausgaben und umfaßte 1914 101 Blätter. Im Krieg ist dieses Kartenwerk um 143 behelfsmäßig bearbeitete Blätter weit nach Westen, Osten und Süden ausgedehnt worden.

TÜK des Deutschen Reiches

Abb. 4.2-6 Topographische Übersichtskarte des Deutschen Reiches 1 : 200.000. Blatt 89 Potsdam.
Berlin 1907. Kolor. Dreifarbenkupferstich. Ausschnitt. SBB Kart L 1414-89.


Übersichtskarte Mitteleuropa

Abb. 4.2-7 Übersichtskarte von Mitteleuropa 1 : 300.000. Blatt N 53 Berlin. Berlin 1905/1933.
Einfarbige Ausgabe. Ausschnitt. SBB Kart F 6597-N53.

Bereits in Vorbereitung auf den 1. Weltkrieg 1913 begonnen, wegen der schnellen Herstellung jedoch nicht unbedingt kartographisch durchgearbeitet und im wesentlichen erst ab 1915 ausgeliefert wurde die “Übersichtskarte von Europa und Vorderasien 1 : 800.000” (Abb. 4.2-8) mit 80 fünffarbigen Blättern (Stand 1920) von jeweils 4° Breite x 4° Länge Gebietsumfang. Diese Karte war der Vorläufer der Internationalen Weltkarte 1 : 1 Million.

Übersichtskarte Europa

Abb. 4.2-8 Übersichtskarte von Mitteleuropa und Vorderasien 1 : 800.000. Blatt Berlin (L 13).
Berlin 1916/1920. Farblithographie. Ausschnitt. SBB Kart F 1448.



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