Thematische Karten zu Berlin und Brandenburg
Projekt der FR Kartographie am Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin, SoSe'96

Hintergründe zur Kartenherstellung und Erfahrungen



So war die erste Lehrveranstaltung im SoSe'96 im KVV angekündigt:

LV-Nr.:
24 708
LV-Art:
Pj
Dozent:
R. Schlimm
Ort: 005
Neubau-Keller
Zeit:
Di. 13-17
Beginn:
09.04.
Kartenbearbeitung unter Einsatz rechnergestützter Methoden:
Plattformübergreifende Computerkartographie

Es sollen zu einem einheitlichen Raumausschnitt (Berlin-Brandenburg) thematisch zusammenpassende Karten hergestellt werden. Dafür stehen die Workstations mit den Programmen THEMAK und ARCVIEW zur Verfügung sowie die Instituts-PCs mit MAPTITUDE oder CorelDraw. Diese Karten sollen mit einer zu entwickelnden Hypertextstruktur verknüpft und im WWW als kleines Informationssystem zur Verfügung gestellt werden.

Die in das Projekt eingespeisten Karten werden nach Kriterien der thematischen Kartographie bewertet, das entsprechende Hypertextmodul ist ebenfalls LN.

Es sollen Kurzreferate zu Utility-Programmen sowie zu programm- und betriebssystemspezifischen und universellen Dateiformaten gehalten werden.

Maximale Teilnehmerzahl: 15

Erfolgreiche Teilnahme am US "Einführung in die Kartographie" und an einem Praktikum zur rechnergestützten Kartenherstellung (P/Ü THEMAK-Kurs o. Desktop Mapping), Vordiplom o. Zwischenprüfung.

HTML-Kenntnisse (für WWW-Dokumente) sind nicht erforderlich.

Vorbesprechung: Dienstag, 13.02.1996, 10:15 Uhr Raum 005 (Neubau-Keller)


Aufbau eines Kartographischen Informationssystems im World Wide Web

Online-Version meines Artikels aus den Kartographischen Nachrichten 1/98


Die Vorgehensweise bei der Kartenherstellung:

Bei der verwendeten Software handelt es sich nicht um Zeichenprogramme, sondern um Kartenkonstruktionsprogramme, bei denen zentrale Gestaltungsschritte teilautomatisiert ablaufen, so z.B. die Erstellung proportional korrekter Kartodiagramme aufgrund einer eingespeisten Tabelle mit raumbezogenen Attributdaten.

Berlin-Karten

Die Berlin-Karten wurden mit dem US-amerikanischen GIS-Programm MAPTITUDE hergestellt, Version 3.0 für Windows3.1.
Die
Berlin-Geometrie entstand am hiesigen Institut. Gestaltungsprobleme ergaben sich vor allem durch die geringe Ausdehnung des Kartenfeldes, die aber notwendig ist, um die Pixelgraphiken für's WWW nicht zu groß werden zu lassen. Im Durchschnitt haben die GIF-Bilder der Berlin- Karten jetzt eine Ausdehnung von 830 x 430 Pixeln, bei der Anzahl der Farben wurde prizipiell eher gespart.
Ein weiteres Problem entstand durch die bei MAPTITUDE sehr unflexible und - bei den Referenz-Größenangeben auch unzuverlässige - Legende.

Die fertigen Karten kann man als BMP-Pixelgraphiken auslesen. Weiterbearbeitet wurden sie auf den Workstations des GeoNet, zunächst mit Rasterbild-Utilities xv: Konvertierung zu GIF-Bildern, xpaint: Korrekturen, Größenänderung, Tastenherstellung.

Brandenburg-Karten

Die auf Brandenburger Verwaltungsgrenzen bezogenen Karten entstanden auf den Workstations der Kartographischen Informationsverarbeitung mit dem Kartenkonstruktionsprogramm THEMAK2. Da THEMAK die Karten unabhängig vom gewählten Maßstab immer in einer Maximalgröße am Bildschirm anzeigt, wurde die Kartenkonstruktion in ein maßstabgebundenes Nebenkartenfenster umgeleitet.
(s. THEMAK-Hilfe)
Von dort wurden die fertigen Karten mit der Screenshot-Funktion des Pixelgraphik-Tools xv "abfotografiert" und als GIF-Bilder gespeichert. Ihre Ausdehnung beträgt jetzt durchschnittlich 630 x 630 Pixel. Eine nachträgliche Farbreduzierung wurde vorerst nicht vorgenommen, um die gewählten Farbreihen nicht zu zerstören. Der Qualitätsverlust beim Übergang zur Rastergraphik vor allem bei feinen Linien und Schriften wurde ausgeglichen, indem vor allem bei den Legenden mit "Malprogrammen" wie xpaint nachbearbeitet wurde.

Farbwahl

Sowohl bei den Berlin- wie den Brandenburg-Karten wirkt sich nachteilig aus, daß die Farben je nach Gerät, Browser und Arbeitssituation immer anders ausfallen und nicht hundertprozentig fixiert werden können. Kleine Farb-Abweichungen bei der Betrachtung im WWW-Browser können sich sogar bei der Verwendung von Grau-Skalen einstellen. Einzige, für kartographische Anwendungen nur schwer akzeptierbare Ausnahme wäre eine Halbton- und Farbreihenherstellung durch Dithern.
Damit die farblichen Unterschiede nicht beim Bildaufbau nivelliert werden, wurden etwas kräftigere Farben als u.U. angemessen gewählt, mit hoffentlich ausreichend deutlichen Abstufungen. Nichtsdestotrotz wurde weitgehend auf die Verwendung der "knalligsten" Grundfarben verzichtet.

Gestaltung des Projekt-Servers

Die HTML-Dokumente wurden mit relax geschrieben, z.T. auch mit HotMetal2. Einige Berlin-Karten wurden als client-side-imagemaps angelegt. Das geschah unter Windows95 mit einer Testversion von mapedit.
Einige Java-Karten bieten eine ähnliche Imagemap-Funktionalität, die aber hier durch das entsprechende Applet erzeugt wird.

Dem bisherigen Server-Angebot liegt eine Hypertextstruktur zugrunde, die bewußt "eine Nummer zu groß" angelegt wurde, um das auf ein Semester befristete Projekt anwendungsnah gestalten zu können.


Reinhold Schlimm

(Der Projektleiter übernimmt einstweilen keine Verantwortung für die konzeptionelle und inhaltliche Richtigkeit der Karten.)


Kontakt zum Projekt: rschlimm@geog.fu-berlin.de