Kurzfassung eines Vortrags für den Deutsch-Niederländischen Kartographiekongreß Maastricht 99


Europakarten für das WWW

Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Kartengestaltung und hypermedialen Integration


Katja Schröder & Reinhold Schlimm, FU Berlin

Am Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin. FR Kartographie, werden seit längerem mit dem Kartenkonstruktionspaket THEMAK2 thematische Karten hergestellt. Bei der Präsentation dieser Karten im Internet wird deutlich, daß die mit dem Medium World Wide Web verbundenen technischen Restriktionen eine spezielle kartographische Gestaltung erforderlich machen. Anstelle einer einfachen Einbindung der für die Ausgabe auf DIN A3 bzw. DIN A4-Papier konzipierten Computerkarten wird ein Neuentwurf von Bildschirmkarten und Legenden notwendig, der auch die vielfältigen Möglichkeiten des Präsentationsmediums zur hypermedialen Einbindung der Karten berücksichtigt. Es werden Beispiele für Europakarten mit interaktivem bzw. dynamischem Charakter vorgestellt.

Konzeptionelle wie technische Überlegungen bestimmen den Aufbau des Europakarten-Angebots im WWW. Herausforderungen für die kartographische WWW-Präsentation sozio-ökonomischer Daten aller europäischer Staaten (mit angrenzenden Ländern in Nordafrika und Vorderasien) liegen in den Ausmaßen und der oft hohen Komplexität der Karten. Der Kartenentwurf sollte nicht auf umfassenden kartographischen Vorkenntnissen aufbauen, da die Nutzergemeinde im WWW sehr inhomogen sein kann. Der Nutzer muß bei der Orientierung und Navigation in einem hypermedialen System, dessen wesentliche Elemente Karten sind, angemessen unterstützt werden.

Nachteile wie Vorteile der Kartenpräsentation im WWW gegenüber multimedialer Einbindung von Karten auf CD-ROM erwachsen aus den spezifischen Merkmalen der WWW-Technologie. Aus kartographischer Sicht bedeutsam sind unterschiedliche Hard- und Softwarekonstellationen beim Server-Rechner wie beim Client, dem Rechner des Benutzers (Monitorgrößen, Grafikkarten, Server-/Browser-Software), desweiteren Bandbreiten der Internetverbindung sowie alle weiteren Faktoren, die die Geschwindigkeit der Datenübertragung beeinflussen. Außerdem ist im Hinblick auf kartenergänzende Angaben zu beachten, daß sich die für das WWW entwickelte Textauszeichnungssprache HTML wegen ihrere Plattformunabhängigkeit nur für ein flexibles Seitenlayout eignet und keine pixelgenaue, für jeden Nutzer exakt wiedergegebene Seitengestaltung ermöglicht. Die Farbdefinition unterliegt ähnlichen technischen Restriktionen.

Für die Kartengestaltung ergeben sich mehrere Notwendigkeiten: ein besonderes Augenmerk gilt der Minimierung von Dateigrößen, erreichbar durch leichte Modifikation des Kartenausschnitts, des Maßstabs, vor allem aber der Bildformate sowie der Farbanzahl. Den Schwierigkeiten bei der möglichst einheitlichen Farbwiedergabe kann durch Wahl geeigneter Paletten begegnet werden - jedoch verbleiben Unwägbarkeiten. Die Lesbarkeit der Karte muß bei diesen Modifikationen gewährleistet bleiben, besonders durch eine klare Kartengraphik und die Einhaltung von bildschirmspezifischen Mindestgrößen bei der Schrift- und Signaturengestaltung. Je nach Kartenthema können durch Kombination einer Europa-Übersichtskarte mit Ausschnittskarten lokale Zoom-Operationen ermöglicht werden.

Entgegen üblicher WWW-Praxis ist der Karte unbedingt ihre Legende mitzugeben, nicht zwangsweise in das gleiche Rasterbild integriert, jedoch immer in Kontakt zum Kartenbild verbleibend. Zusätzliche Möglichkeiten gegenüber analogen Karten bestehen in der optionalen Beschriftung von Kartenobjekten (durch in Java/Javascript realisierbare Mouse-over-Effekte) mit dem Ziel der Entlastung des Kartenbildes. Auch die Legende läßt sich so durch Zusatzinformationen besser verständlich machen. Zudem können Legenden, die Mehrsprachigkeit der europäischen Internetnutzer bedenkend, in verschiedenen Versionen zur Auswahl angeboten werden.

Weitere Möglichkeiten der Kartengestaltung im Hinblick auf eine hypermediale Integration bestehen im Erstellen von dynamischen und interaktiven Karten. Temporale und non-temporale Kartenanimationen sind mit Java/Javascript oder im GIF89a-Format realisierbar; bei Europakarten muß mit Blick auf das dabei anfallende Datenvolumen maximal vereinfacht werden. Interaktive Karten auf HTML- oder Java-Basis können durch Imagemaps erreicht werden. Dabei wird die Karte als Schnittstelle zu räumlichen Datensammlungen/Datenbanken begriffen. Es besteht z.B. die Möglichkeit, auf Mausklick die Primärdaten, aus denen die thematische Karte generiert wurde, einzusehen. Desweiteren können Server in ganz Europa mit vergleichbaren Informationen auf diese Weise verknüpft werden. Weitergehende Interaktivität kann durch die nutzergesteuerte Kartenerstellung mit WWW-Modulen von GIS-Software erreicht werden; die Lesbarkeit der automatisch erzeugten Karte ist dabei aber noch nicht gewährleistet.

Aufgrund der länderübergreifenden Thematik bei verteilten Datenquellen machen interaktive Verknüpfungen gerade bei dem Abbildungsraum Europa ein dezentrales Konzept für das WWW-Kartenangebot möglich. Datenerfassung, -verarbeitung, -speicherung und -präsentation können auf verschiedenen Servern in mehreren Ländern stattfinden.

Stand: Herbst 1998