Sowohl im Sommersemester 1996 wie auch im Sommersemester 1997 wurde am
Institut für Geographische Wissenschaften der FU Berlin in
Lehrveranstaltungen zur plattformübergreifenden Computerkartographie an
einem Kartenserver für das World Wide Web gearbeitet. Dabei konzipierten
die Studierenden der Geographie und Kartographie eigene thematische Karten und
ergänzende Informationen zu verschiedenen geographischen Fragestellungen
aus Berlin und Brandenburg, um sie im Netz zu einem kartographischen
Informationssystem zusammenzufügen
(
http://www.geog.fu-berlin.de/bb/
).
Inhaltlich kann das entstandene Informationssystem keinen Anspruch auf
Vollständigkeit erheben; doch zeigen die bisher beim Aufbau des
Kartenservers gemachten technischen Erfahrungen, wie ohne den Einsatz teurer
kommerzieller Graphiksoftware ein kartenorientiertes Informationsangebot im WWW
einzurichten ist, und welche Probleme dabei zu lösen sind.
Über das World Wide Web und die Bedeutung des Internet für die
Kartographie im Allgemeinen informierten bereits vorausgegangene KN-Artikel
(Gartner, G. 1996, Dickmann, F. 1997). Dort finden sich auch
Verweise auf internationale Kartenserver.
Die Vorteile der Verbreitung von Karten über das World Wide Web liegen
in der Plattformunabhängigkeit; jeder an das Internet angeschlossene
Benutzer kann die angebotene Information abrufen und bekommt sie in
annähernd gleicher Form präsentiert, unabhängig vom verwendeten
Betriebssystem. Bereits die geringen Abweichungen bei der
Bildschirmpräsentation, bedingt durch Monitorgrößen und
-auflösungen sowie die unterschiedliche Farbtiefe der Nutzerrechner
(clients), können allerdings für WWW-Kartographie Probleme
bereiten, die hier beschrieben werden.
Dadurch, daß dem Benutzer keine technischen Hürden gesetzt sind,
die als Pixelgraphik angebotenen Karten abzuspeichern, zu verändern und -
nach lizenzrechtlicher Klärung - selber wieder anzubieten, ergibt sich,
daß für kartographische Informationssysteme nur Karten geeignet
sind, die nicht gleichzeitig auch kommerziell vertrieben werden sollen. Doch
auch in einem solchem Fall ist eine Web-Präsentation denkbar, da die
Bildschirmkarten im Rasterformat ohnehin nicht die Auflösung von
Papierkarten haben werden, genau so wenig, wie sie die Verwendungsvielfalt von
Vektordateien besitzen.
Für den Informationsanbieter liegt die Chance der WWW-Kartographie
darin, für seine in Karten umgesetzten Daten eine relativ große
Öffentlichkeit zu schaffen, indem er am Computer hergestellte Karten auf
einem Kartenserver versammeln und um hypermediale Funktionalitäten
bereichern kann - auch ohne spezielle kommerzielle Software. Um die Karten mit
anderen Ausschnitten, Text-, Tabellen- oder Bildinformationen zu
verknüpfen, braucht man also kein Multimedia-Autorensystem, sondern kann -
in bislang noch etwas eingeschränkter Form - das Karteninformationssystem
auch in der WWW-Sprache HTML, der Hypertext Markup Language, zusammen
mit Java- oder JavaScript-Einbindungen realisieren. Weitere Möglichkeiten
eröffnen sich mit der Erstellung individueller thematischer Karten durch
den Benutzer mit Hilfe von CGI-Skripten (maps on demand).
Im folgenden soll zunächst auf die Präsentation bereits
vorgefertigter thematischer Karten eingegangen werden, bei der allein schon
konzeptionelle wie technische Hürden zu überwinden sind.
Gemäß der Kategorisierung von elektronischen Atlanten geht es hier
also um Kartenserver mit view-only-maps.
Was die Einrichtung eines Karteninformationssystems im WWW von einer
multimedialen Zusammenstellung von Karten auf CD-ROM unterscheidet, ist eine
trotz der Plattformunabhängigkeit verbleibende Uneinheitlichkeit der
graphischen Wiedergabe beim Client. HTML als Seitenauszeichnungssprache ist
für ein flexibles Layout geschaffen, das - je nach verwendetem Browser,
darin vorgenommenen Benutzereinstellungen und Monitorauflösungen -
letztlich immer etwas anders aussehen kann. Die schnelle Weiterentwicklung des
Sprachstandards und der Browsersoftware erschwert eine Verständigung auf
allgemein akzeptierte HTML-Elemente. Hinzu kommt bei einem mapserver
eine je nach Netzanbindung und eingesetzter Hardware unterschiedlich schnelle
und originalnahe Wiedergabe der großen Pixelgraphiken, als die Karten im
WWW-Kontext betrachtet werden können.
Wer wird auf Karten im WWW zurückgreifen? Das hängt
natürlich in erster Linie von der Bekanntmachung des kartographischen
Angebots in themenbezogenen Verzeichnissen, Newsgroups, Suchmaschinen etc. ab.
Eine Analyse der Zugriffsprotokolle zeigte bei den bisherigen Angeboten,
daß die Benutzerzahlen deutlich anstiegen, sobald die Webadresse (URL)
von den großen Suchmaschinen des WWW als Antwort auf die Eingabe
regionaler, thematischer oder kartographischer Suchbegriffe geliefert werden
konnte. Über die Motive der "Surfer", sich spezielle Karten näher
anzusehen, kann bisher nur spekuliert werden. Auffällig ist jedoch,
daß die "Zugriffs-Hitliste" der HTML-Seiten unseres Kartenservers von den
Webseiten mit Java-Anwendungen angeführt wird. So kann man vermuten,
daß es nicht unbedingt das geographische Interesse ist, welches die
Surfer in diese Ecke des WWW verschlägt, sondern oft der generell
festzustellende technische "Spieltrieb" der Netzgemeinde.
Weiter bietet die Log-Datei Hinweise darauf, daß die einzelnen Karten
im Durchschnitt kürzer betrachtet werden, als es die kartographische
Forschung von gedruckten Atlaskarten bisher annimmt. Vor allem der über
einen Netz-Provider angeschlossene WWW-Surfer wird auf der Suche nach
Attraktionen von den sich erhöhenden Kosten der Verbindung ständig
weitergetrieben. Deshalb ist es für die Kartenanbieter auch so wichtig,
sich um eine kurze Ladezeit ihrer Karten zu bemühen.
Die thematischen Karten des Informationssystems zu Berlin und Brandenburg
wurden auf zwei Rechnerplattformen erstellt, zum einen unter dem
UNIX-Betriebssystem HP-UX mit dem Kartenkonstruktionsprogramm THEMAK2, für
das Kartengeometriedaten des Landes Brandenburg vorlagen, zum anderen mit der
low-cost GIS-Software MAPTITUDE auf WINDOWS-PCs. Beide Programmpakete
konstruieren die thematische Darstellung halbautomatisch aufgrund eingelesener
Sachdaten, die sich räumlich auf Objekte der Kartengeometrie beziehen und
mit diesen über identische Schlüssel verknüpft sind. Als
graphische Ausgabe erhält man programmspezifische Vektorgraphiken; das
Ausdrucken in PostScript-Dateien ist ebenfalls möglich. Bei MAPTITUDE kann
die Karte auch direkt als bitmap abgespeichert werden.
Das ist von Vorteil, denn für das Einspeisen ins World Wide Web ist es
bislang unabdingbar, die Vektorgraphik der Karten in ein Pixelgraphikformat zu
überführen. Für die Vektor-Raster-Konvertierung bieten sich
zahlreiche Möglichkeiten an. Diese reichen von der Auswahl eines
rasterorientierten Gerätetreibers im Kartenkonstruktionsprogramm über
die Konvertierung mit Hilfe eines Zeichen- bzw. Graphikkonvertierungsprogramms
bis hin zum screenshot, dem "Einfrieren" eines Teils des Bildschirms.
Letztere Methode stellte sich als am komfortabelsten heraus, vor allem, weil es
möglich ist, Größe und Auflösung der Bildschirmkarte
beizubehalten, so daß schon während der Kartenkonstruktion
Rücksicht auf die spätere Erkennbarkeit von feinen Linien und Schrift
gelegt werden konnte.
Die Beschriftung bereits im Kartenkonstruktionsprogramm vorzunehmen, erwies
sich dennoch als problematisch. Ihre Qualität konnte im Pixelformat nicht
erhalten werden. Zu besseren Ergebnissen führte die nachträgliche
Beschriftung der Karten in einem pixelorientierten Zeichenprogramm mit
Zugriffsmöglichkeit auf kleine, für die Bildschirmdarstellung
optimierte Schriftfonts. Das nachträgliche Einsetzen von Schriften ist
komfortabel nur bei aufwendigeren Raster- oder Hybrid-Graphikprogrammen
möglich, die mehrere Ebenen verwalten können. Die meisten als
public domain erhältlichen simplen Malprogramme erlauben nur
einfache Lösungen.
Die aus der Vektor-Raster-Konvertierung hervorgehenden WWW-Pixelgraphiken
brauchen von der Qualität nicht schlechter zu sein als die
Bildschirmdarstellung der unvergrößerten Karten bei der
Konstruktionssoftware. Gegenüber hochauflösenden Ausdrucken der
Originalkarten sind allerdings Abstriche zu machen. Probleme ergeben sich vor
allem bei kleinen Signaturen und Schriften (s. Abb. 1); eine Pixelretusche kann
hier erforderlich werden.
6 Anforderungen an Bilddateigrößen, Möglichkeiten der
Datenreduzierung
Die Wahl des Dateiformats für die so hergestellte Pixeldarstellung der
Karte wird durch das im World Wide Web grundsätzliche Streben nach
maximaler Datenreduzierung bestimmt. Jedes zusätzliche Byte verzögert
den Bildschirmaufbau. Gleichzeitig soll der Qualitätsverlust der Graphik
durch Kompression nicht größer sein, als es durch den Sprung vom
Vektor- in das Rasterformat unvermeidlich ist. Die geläufigen Browser
können nur zwei Arten von Bilddateien direkt in HTML-Seiten eingebunden
darstellen: die GIF- und die JPEG-Pixelgraphiken. Graphiken in anderen
Dateiformaten werden gegebenenfalls durch ein angebundenes Hilfsprogramm in
einem separaten Fenster dargestellt oder nur ungesehen zum Abspeichern
angeboten.
Das JPEG-Format wurde zur Wiedergabe halbtonreicher Fotos entwickelt, wobei
die Kompressionsrate eingestellt werden kann. Eine zunehmende Datenreduzierung
führt allerdings zu immer größeren Qualitätsverlusten. Bei
der Kompression von Strichzeichnungen und Graphiken mit aneinandergrenzenden
Volltonflächen - beides typisch bei thematischen Karten - erweist sich
JPEG als wenig geeignet. Die Qualitätseinbußen fallen schon dann
auf, wenn die Kompressionsrate noch unter der von vergleichbaren GIF-Dateien
liegt. Für die thematische WWW-Kartographie spielt das JPEG-Format daher
nur bei der Wiedergabe gescannter halbtonreicher Papierkarten und bei der
Einbindung von Luft- oder Satellitenbildern in die Karten eine Rolle.
Das GIF-Format, ursprünglich für den Online-Dienst
CompuServe entwickelt, bietet durch Lauflängencodierung bereits
eine große Datenreduzierung gegenüber den geläufigen TIFF- oder
BMP-Graphiken. Jedoch ist die Dateigröße stark abhängig von der
Farbtiefe, die von 1 bis 8 Bit variieren kann. Das ist gleichbedeutend mit
einer Auswahlmöglichkeit zwischen 2 und 256 Farben für die Graphik.
Thematische Bildschirmkarten können fast immer so konzipiert werden,
daß nur eine ein- bis zweistellige Zahl von Farben benötigt wird, da
nur selten komplexere Halbtondarstellungen eingebunden werden müssen.
Insofern eignet sich das GIF-Format für die Internetkartographie am
besten.
In kommerziellen Rastergraphikprogrammen (z.B. Photoshop) erreicht
man eine deutliche Größenreduktion durch das Verringern der
Farbtiefe bei gleichzeitiger Abstimmung der verbleibenden Farben aufeinander.
In einfachen Graphik-Werkzeugen und public domain-Programmen ist die
Einstellung der Farbtiefe beim Abspeichern ins GIF-Format oft jedoch nicht
möglich; oder die angebotene Farbreduktion ermöglicht noch nicht die
gewünschte Verkleinerung der Bilddatei. In diesem Fall besteht die
Möglichkeit, die GIF-Datei zum Online-Graphikprogramm GIF Wizard zu
schicken (
http://www.gifwizard.com
, Basisfunktionen kostenlos
benutzbar
Eine derart bearbeitete GIF-Karte sollte nicht größer als 25
Kilobyte sein, für textorientierte "Internet-Puristen" ist das noch immer
erschreckend groß (Ladezeit mit 28.8-Modem: 6 Sek. bis > 1 Min., je
nach Verbindung), aber immerhin ist die Datei um ein Vielfaches kleiner als
eine unkomprimierte Pixelgraphik.
Die vertikale und horizontale Ausdehnung der Graphik wirkt sich
selbstverständlich ebenfalls auf die Dateigröße und damit auf
die Ladezeiten aus. Eine Inanspruchnahme des gesamten Browserfensters durch die
Karte ist dem Benutzer (bei günstigen Farbtiefen und Dateiformaten) aber
gewiß zuzumuten. Nur "briefmarkengroße" Karten von 100 - 200 Pixeln
Kantenlänge laden zwar schnell, zwingen aber zu maximaler Generalisierung.
Ausschlaggebend für die Wahl der Graphikproportionen und damit des
Kartenmaßstabs sollten die geringeren Bildschirmauflösungen sein, so
daß PC-Clients auch bei kleinen Monitoren die Karte ohne vertikales und
vor allem horizontales Scrollen betrachten können. Am günstigsten ist
eine maximale Breite von 620 Pixeln, was bei kleinen Monitoren bereits die
Vergrößerung des Browserfensters auf Vollbildgröße
nötig macht. Selbst bei Verzicht auf optimale Darstellung mit gering
auflösenden Graphikkarten sollten 800 Pixel in der Breite nicht
überschritten werden. Am günstigsten ist es, wenn die Karten gleich
in der durch die WWW-Präsentation vorgegebenen Größe erstellt
werden, denn eine nachträgliche Verkleinerung der GIFs schadet der
Darstellung feiner Linien und Schriften.
Neben dem Bestreben nach schnell ladenden Graphikdateien stehen die
Bemühungen um einheitliche Farbwiedergabe auf den unterschiedlichen
Computersystemen. Zwar werden High- oder True-Color-Systeme mit
ihren 65536 bzw. 16,7 Mio. verfügbaren Farben die Kartengraphik in der
beabsichtigten Farbgebung anzeigen, anders ist dies jedoch bei dem noch immer
weit verbreiteten 256-Farben-Standard. Hat die HTML-Seite insgesamt mehr
Farben, als auf solchen Systemen zur Verfügung stehen, werden je nach
Graphikkarte des Clients entweder ähnliche Werte aus einer
Standardfarbpalette eingesetzt, oder die nicht mehr darzustellende
Originalfarbe wird durch Ditherung in mehrere andere bereits verwendete
Mischfarben aufgerastert. Beides führt meistens zu vom Kartenproduzent
nicht gewünschten Brüchen innerhalb seiner Farbreihen.
Eine Möglichkeit, zumindest für den Browser von Netscape eine
unverfälschte Farbwiedergabe zu erreichen, besteht in der Verwendung der
Browser Safe Color Palette. Entweder werden die dort definierten Farben
gleich bei der Kartenherstellung benutzt, oder man gleicht nachträglich
die originalen GIF-Farbwerte an diese von Netscape intern verwendete Palette
an.
Ersteres ist nicht ganz unkompliziert, denn in den geläufigen
Kartenkonstruktions- und auch Malprogrammen werden Farben entweder im RGB-,
CMY- oder HLS-Modus gemischt, nicht aber in hexadezimalen Codes
verschlüsselt, wie es in HTML der Fall ist. Die Umrechnung der durch
Netscape optimal interpretierten hexadezimalen Farbwerte (alle drei Anteile
entweder 00, 33, 66, 99, CC oder FF) in den RGB-Modus führt zu der
Faustregel, daß R(ot), G(rün) und B(lau)-Anteile jeweils durch 51
dividierbar sein sollten, also nur die Werte 0, 51, 102, 153, 204 oder 255
annehmen sollten, was zu einer Gesamtanzahl von 63 , also 216
"ungefährlichen" Farben führt (in hexadezimalem sowie RGB-Code
dargestellt unter
http://www.lynda.com/hex.html
).
1 Vorbemerkung
2 WWW-Kartographie als einfache Version von Multimediakartographie
3 WWW: ein uneinheitliches Präsentationsmedium
4 Nutzungsbedingungen von WWW-Karten, Interessen der "Surfer"
5 Der Weg vom Kartenkonstruktionsprogramm ins Netz
Abb. 1: Auswirkungen der Vektor-Raster-Konvertierung auf kleine Signaturen und Schriften
7 Probleme bei der Erstellung von Farbreihen
| Einfacher ist die nachträgliche Anpassung der Originalfarben an browser safe colors, entweder wieder mit Hilfe des GIF Wizard, oder z.B. mit dem Shareware-Programm PaintShop Pro (http://www.jasc.com), das es erlaubt, einer Farbtabelle mit "sicheren Farben" die RGB-Codes zu entnehmen, als Farbpalette zu speichern und der Karte daraus passende Farben zuzuweisen (Tutorial unter http://virtualc.prz.tu-berlin.de/tips/tipstep3.htm). | ![]() |
Nicht unerwähnt bleiben soll eine letzte Möglichkeit, Farbreihen zu erhalten, nämlich indem man Helligkeitsabstufungen nur durch Ditherung zweier unterschiedlicher Farben erzeugt. Dadurch ist es letztendlich gleichgültig, welche Farbe genau der Browser zur Anzeige bringt, die kontinuierliche Abstufung der Skala wird erhalten bleiben. Wegen des optisch unruhigen Eindrucks derart gefüllter Flächen ist das jedoch keine sehr elegante Lösung.
Neben den geschilderten Besonderheiten sollten bei der Kartengestaltung
für das WWW auch die generell wichtigen Nutzungsbedingungen von
Bildschirmkarten berücksichtigt werden. Die kurze Betrachtungsdauer, die
unterschiedlichen Nutzergruppen und die im Vergleich zu Papierkarten deutlich
geringere Auflösung stellen hohe Anforderungen an die Lesbarkeit und
Klarheit der Kartengraphik (vgl. Asche, H. 1996). Trotz einer
anzustrebenden Reduzierung der Detailfülle besteht jedoch kein Grund, sich
bei thematischen Kartendarstellungen allein auf Flächenmosaik- und
-dichtekarten oder einfache Punktsignaturkarten zu beschränken, wie es
bisher im WWW zu beobachten ist.
Bei mehreren Karten zu einem Oberthema sollte für eine inhaltliche und
graphische Konsistenz gesorgt werden. Auch die Anordnung der Karte in Bezug zu
weiteren Elementen darf nicht von Seite zu Seite zu stark differieren. Bei den
weiteren Elementen kann es sich um Navigationshilfen, Texte, Tabellen,
Diagramme, Fotos oder Zeichnungen handeln. Sie dienen der Orientierung und
weiteren Informationsvermittlung, können aber auch nur auflockernde oder
motivierende Funktion haben. Zuviel multimediale Gimmicks lenken aber ab und
behindern letztlich das wichtigste Ziel, die Informationsvermittlung.
Ebenso wichtig wie ein relativ einheitliches Kartenlayout ist eine stimmige
Benutzerführung durch Konsistenz von Anordnung, Gestaltung und
Funktionalität der Navigationselemente (Tasten, Buttons, Kopf- und
Fußzeilen). Um eine solche Homogenität des Angebotes zu erreichen,
kann man sich der Erkenntnisse der Wahrnehmungspsychologie und der
Multimediaforschung bedienen. Unsere Lehrveranstaltungen mit Workshopcharakter
boten mit ihren zwei Dutzend Autoren von Karten und HTML-Seiten jedoch nicht
die günstigsten Voraussetzungen für eine konsistente Gestaltung,
zumal die Studierenden jeweils eigene individuelle Gestaltungsideen einbringen
sollten.
Thematische Karten weisen einen mehr oder weniger hohen Grad der
begrifflichen Generalisierung auf. Es werden Begriffe gebildet, mit denen die
Objekte zu kategorisieren sind. Statistische Daten faßt man der
Anschaulichkeit zuliebe zu Wertgruppen/ -klassen
zusammen, Rationalzahlen können dabei gerundet werden. Diese
kartographisch sinnvollen Vereinfachungsschritte führen dazu, daß
die substantiellen Ausgangsdaten in der Karte nicht mehr ohne weiteres ablesbar
sind. Bei in Hypermediasysteme eingebundenen Karten bietet sich nun die
Möglichkeit, die originalen, zur Kartenkonstruktion herangezogenen
Sachdaten für den Benutzer dennoch abrufbar zu halten. Wie bei einem GIS
dient die Karte also als graphisches Modell zur Vermittlung räumlicher
Muster und zum Zugriff auf raumbezogene Daten.
Im WWW ist die einfachste Lösung zur Anbindung der Sachdaten an die
Kartendarstellung das Erstellen von Imagemaps. Wie man es von
Multimedia-Produkten kennt, werden in der Karte hot objects definiert,
die durch Links mit anderen Informationen im Web verbunden sind, denen man
durch Mausklick folgen kann. Die hot objects können rechteckig,
kreisförmig oder in der Form unregelmäßiger Polygone definiert
werden. Bei einer Karte ist es also möglich, sowohl punkthafte Objekte
oder Kartodiagramme wie auch geographische Bezugsflächen insgesamt mit
Links zu belegen. Die Sprungadresse für die hypermediale Verknüpfung
kann auf der gleichen Webseite, z.B. unter der Karte eingefügt werden,
oder es wird zu einer anderen HTML-Seite gelinkt. Soll die Zusatzinformation
gleichzeitig mit der Karte zu sehen sein, empfiehlt sich die Aufteilung des
Browserfensters in mehrere frames. Andernfalls wird die Seite mit der
Karte durch die angewählte Seite in der Bildschirmanzeige
ausgetauscht.
Bei sorgfältigem Aufbau der HTML-Seitenstruktur und -Syntax hat der
Nutzer so die Möglichkeit, durch Anklicken eines Kartodiagramms in einem
anderen frame des Browserfensters direkt zu der Zeile zu springen, in
der die Sachdaten aufgelistet sind, aus denen das Diagramm berechnet wurde. Was
der Nutzer also beim Mausklick in die Imagemap wahrnehmen wird, ist ein
vertikales Verspringen der Sachdatentabelle in eine Position, in der das
Sprungziel in der obersten Zeile steht - zugegebenermaßen noch nicht die
beste denkbare Lösung. Besser wäre noch eine genaue optische
Hervorhebung der angezielten Tabellenzeile. Um wenigstens eine eindeutige
Zuordnung der Attributwerte zu den entsprechenden Unterteilungen eines
Diagramms in der Karte zu erreichen, können die Zahlen oder auch die
entsprechenden Tabellenfelder in genau den Farben angelegt werden, die das
Diagramm aufweist. Allerdings kommen auch hier wieder die Probleme der
unterschiedlichen Farbcodierungen - RGB in der Karte und Hexadezimalwerte in
der Tabelle - zum Tragen.
Java-Applets sind kleine Programme, die auf HTML-Seiten eingebunden sein
können, also zusammen mit der HTML-Seite zum Client übertragen werden
und auf der Festplatte des Nutzers zur Ausführung kommen. Die
Programmiersprache Java, in der die Applets geschrieben sind, hat den Vorteil,
ebenfalls plattformunabhängig zu sein. Nach wie vor bestehen dennoch
gewisse Bedenken, ob Java-Programme auf allen Rechnern stabil genug laufen.
Während beim Java-Applet der Quellcode des Programms bereits maschinennah
kompiliert zum Client übertragen wird, sind JavaScript-Programme direkt in
der HTML-Datei integriert und werden wie UNIX-shellscripts als Quelltext
zur Laufzeit interpretiert. Dadurch verlangsamt sich der Programmablauf
gegenüber dem Interpretieren bereits kompilierten Programmcodes.
Außerdem sind HTML-Seiten mit integrierten JavaScripts noch
anfälliger gegen Fehler (z.B. Endlosschleifen) als solche mit
eingebundenen Java-Applets.
Derzeit sind die meisten frei verfügbaren Java-Applets noch
spielerischer Art. Sie sollen durch Animationen oder spezielle Effekte den
statischen HTML-Seiten mehr "Leben einhauchen". Kartographischen Nutzen
besitzen Applets, die einfache Bildpräsentationen multimedial erweitern.
So gibt es Applets, die das oben geschilderte Imagemap-Prinzip abwandeln, indem
sie z.B. an vordefinierten hot spots einer Graphik beim
"Überfahren" mit der Maus (roll over) erläuternde Label-Boxen
einblenden oder Teile der Graphik optisch als anklickbar hervorheben. Für
die Kartengestaltung bietet sich so die Möglichkeit, die Beschriftung
punkthafter Objekte bzw. die lokale Werte-Einblendung über Java laufen zu
lassen, so daß man die Karte nicht mit Inhalten überfrachten
muß. Vor allem kann man sich so die "pixeligen" kleinen Schriften
ersparen, die sonst in farbarmer Rastergraphik unvermeidlich sind.
Mit Imagemap-Applets ist es genau wie mit ihren reinen HTML-Vorbildern
(client side imagemaps) möglich, Verknüpfungen aus der Karte
heraus zu anderen Web-Seiten oder frames zu legen, mit dem Unterschied,
daß Java die graphische Hervorhebungen der klicksensitiven Flächen
beim roll over erlaubt. Das gelingt entweder durch die Einblendung lokal
abgewandelter Bildteile (vom Kartenbearbeiter vorgefertigter eyecatcher)
oder durch Überlagerung der Karte mit vom Applet selbst berechneten,
dreidimensional erscheinenden Schaltflächen (transparente Tasten).
Beispiele für derartige kartographische Anwendung von Java-Applets finden
im genannten kartographischen Informationssystem (und im Rahmen der
Projektvorstellung EUROATLAS unter
http://www.geog.fu-berlin.de/eurocis/whl/
). Eine weitere
Nutzungsmöglichkeit von Java-Imagemaps könnte in der lokalen
Einblendung vorgefertigter Zoom-Auschnitte mit geringerem Generalisierungsgrad
liegen.
Neben diesen rein graphikbezogenen Java-Anwendungen gibt es bereits
komplexere kartographische Java-Applikationen wie einfache Geographische
Informationssysteme oder Kartenbetrachtungs-Oberflächen (mapviewer)
(Links unter
http://www.geog.fu-berlin.de/~rschlimm/gdv-links.html
)
Die Erstellung temporaler oder nontemporaler kartographischer Animationen
ist mit Java nicht so gut zu lösen. Hauptgrund ist dabei das Rasterformat
der Bestandteile von Web-Animationen, welches schnell zu untragbar großen
"Filmchen" führt. Deshalb macht auch die reine GIF-Animation ohne Java,
möglich mit dem Format GIF89a, kartographisch wenig Sinn. Man kann sich
höchstens auf einfachste Lösungen beschränken, z.B. auf eine
blinkende Signatur, die den Blick des Betrachters auf sich zieht
(GIF-Animation zur Veranschaulichung einer Kartenanamorphose:
http://www.geog.fu-berlin.de/bb/themen/wohnen/berlin/krim.html)
.
Will man eine komplexere kartographische Animation im WWW
präsentieren, empfiehlt sich der Rückgriff auf kommerzielle
Autorensysteme, die mit programmspezifischen Datenformaten arbeiten und die
Animation für das WWW z.B. als MPEG-Film oder als Shockwave-Movie
zur Verfügung stellen. Beides ist jedoch nicht ohne Zusatzprogramme
für den WWW-Browser (plug-ins) möglich. Außerdem haben
diese Lösungen den Nachteil, nicht auf jeder Computerplattform zu
laufen.
Neben der Präsentation bereits vorgefertigter Karten bestehen noch
reizvolle Möglichkeiten, individuelle Karten aufgrund von Benutzereingaben
automatisch erstellen zu lassen. Für die Entgegennahme der
Benutzerwünsche aus Eingabeformularen und ihre Weiterleitung an das
Betriebssystem oder angebundene Datenbanken und Kartenkonstruktionsprogramme
sind CGI-Skripten zu benutzen, wie auch für die automatische Erstellung
individueller HTML-Antwortseiten mit den Karten. An den bereits früher in
KN vorgestellten Web-Adressen für maps on demand (Gartner,
G. 1996, Dickmann, F. 1997) werden allerdings auch die derzeitigen
Probleme der interaktiven WWW-Kartographie deutlich: Es werden
Kartenkonstruktionspakete benötigt, die über spezielles
kartographisches Gestaltungswissen verfügen oder wenigstens nicht jede
Kombination von Kartenschichten und Farb-/ Muster- und Signaturengestaltung
zulassen, damit die automatisch erstellte Graphik "Karte" genannt werden kann.
Bisher kann zwischen zwei Lösungsansätzen unterschieden werden. Bei
vektorbasierten Konstruktionspaketen wird die fertige Karte von einem
CGI-Skript in ein GIF konvertiert, damit man sie wieder im WWW betrachten kann.
Daneben gibt es rein rasterbasierte Graphikbibliotheken, die eine
gleichbleibende Basiskarte im GIF-Format lokal mit einzelnen punkt-, linien-,
oder flächenhaften Elementen überdecken können. Damit sind zwar
nur einfache kartographische Lösungen möglich, doch orientiert sich
letzteres Vorgehen speziell an den Anforderungen des World Wide Web, und man
kommt dabei ohne kartographische Software bzw. GIS-plugin aus.
Mit der Weiterentwicklung des Sprachstandards für das WWW und der
Verfügbarkeit von immer mehr auf das Internet zugeschnittener Geo-Software
wird die Interaktivität der WWW-Kartographie schnell zunehmen.
Kartenorientierte Abfragen von Geodatenbanken, für die bisher GIS-Viewer
eingesetzt werden, sind zunehmend auch über Inter- bzw. Intranet
möglich. Diese Entwicklung wird auch durch die weltweiten Bemühungen
unterstützt, zu einer offenen GIS-Architektur zu kommen
(
http://www.opengis.org/
). Doch auch ohne die neuesten
(karto)graphischen, Datenbank- und GIS-Softwarepakete sind Kartenserver immer
einfacher, allein mit Hilfe von netzweit verfügbarer share- oder
freeware zu erstellen. Die neuen Browsergenerationen erlauben zunehmend
komplexe Seitenstrukturen. Neu bei Netscape ist zur Zeit beispielsweise das
Arbeiten mit mehreren Ebenen (Tag <LAYER>). Da HTML-Text und
Pixelgraphiken von nun an punktgenau gesetzt werden können und auch
übereinanderliegen dürfen, bietet sich eine neue Variante zur
Kartenbeschriftung an.
Der Trend zu immer mehr Abbildungen im World Wide Web läßt auch
die Zahl der eingebundenen Karten schnell steigen, hergestellt und verbreitet
durch jedermann. Kartographische Qualität läßt sich nur dann
halten oder wiedererlangen, wenn die Kartenkonstruktionssoftware regelbasiert
zu arbeiten versteht und - etwa in der Form eines optionalen Assistenten -
fundierte Gestaltungslösungen anbieten kann. An derartigen
themakartographischen Expertensystemen, speziell an der zu formalisierenden
kartographischen Wissensbasis, wird am hiesigen Institut derzeit geforscht.
Eine Vielzahl hilfreicher Software zur Erstellung von Kartenservern wird im
Internet angeboten.
Verweise auf Download-Möglichkeiten und Bedienungshinweise für
kostenlose bzw. günstige Graphik-Software (UNIX und WINDOWS) finden sich
auf der WWW-Seite
http://www.geog.fu-berlin.de/~rschlimm/gdv-links.html .
Asche, H.: Modellierung und Nutzung elektronischer Karten. In:
Mayer, F., Kriz, K.(Hrsg.): Kartographie im multimedialen Umfeld.
5. Wiener Symposium. - Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie, 8,
Wien 1996: 150-167.
Borchert, A.: Grundlagen und Konzept eines hypermedialen Atlas der
Bundesrepublik Deutschland. (Unveröff. Diplomarbeit Freie Universität
Berlin 1993)
Dickmann, F.: Kartographie im Internet. Möglichkeiten und
Grenzen der neuen Informationstechnologie für die kartographische Praxis.
- Kartographische Nachrichten, 3, 1997: 87-96
Gartner, G.: Internet für Kartographen. - Kartographische
Nachrichten, 5, 1996: 185-190
Internet World, 6/97, 7/97. WebMedia GmbH, München
Reinhold Schlimm, FU Berlin, Inst. für Geographische Wissenschaften,
FR Kartographie, Arno-Holz-Str.12, 12165 Berlin
E-Mail: rschlimm@geog.fu-berlin.de
URL: http://www.geog.fu-berlin.de/~rschlimm
8 Technologiebedingte Besonderheiten der kartographischen Gestaltung
9 Verknüpfung zu den Primärdaten mit Imagemaps
10 Kartographisch nutzbare Java-Applets
11 Interaktive WWW-Kartographie: Maps on demand mit CGI-Skripten
12 Ausblick
13 Nutzbare Public-Domain-Programme
14 Literatur
Anschrift des Verfassers: